Seminar über die Légèreté in der Bückeburger Hofreitschule

Seminar über die Légèreté
vom 06. und 07.01.2007

 

 

 Wir haben das Seminar „FRANZÖSISCHE REITKUNST Die “Leichtigkeit der Hilfen” in der Praxis“ in Bückeburg besucht und waren begeistert! Der Bericht folgt weiter unten auf dieser Seite, erst das Gruppenbild:

Seminar1

Beschreibung des Seminarinhaltes:

 

Die teilnehmenden Reiter und Pferde beherrschen die Seitengänge und erste versammelnde Reprisen. Sie werden in Bahnfiguren in Seitengängen geschult und an Pirouetten und kurze Tritte herangeführt.

 

Theorie:
Geschichtliche Positionierung der Alten Meister
de la Guérinière im Vergleich
Wurzeln der Reitkunst, Auswirkungen der Frz. Revolution
Funktionaliät der Reitausrüstung,
Geschichte des Reitersitzes

 

Praxis:
Französische Grundsätze, Zitate im Praxistest
Durchlässigkeit, Légèreté, Nachgeben auf Ehrenwort
Hilfen und Lob, eine individuelle Skala für jedes Pferd
Wdh. Konzeptionelles Reiten,
Seitengänge für Fortgeschrittene
Bahnfiguren in Seitengängen und Pirouetten
Grundlagen der einhändigen Zügelführung

 

Extras:
Geschichtliche Hintergründe mit Christin Krischke
Physiotherapie bei Pferden mit Klaus Steffan
Vortrag über Zahnmedizin
 

Ein Bericht von Silke über den ersten Seminartag
 

Nach einer sehr herzlichen Begrüßung von der Hofreitmeisterin Frau Kriscke, wurden die rund 40 Seminarteilnehmer erst einmal zu einem reichhaltigen Frühstück gebeten. Ein leerer Magen lernt ja bekanntlich nicht gut.

Laut Frau Krischke wachse das Interesse an den Seminaren der Hofreitschule mit den Jahren deutlich an. Immer mehr ambitionierte Freizeit- und auch Dressurreiter besinnen sich auf die Werte der „alten Reitmeister“.

Da einige Pferde der Hofreitschule erkrankten, konnten leider keine Fremdreiter wie vorher geplant, geladen werden. Die praktischen Inhalte wurden daher ausschließlich an den noch gesunden vier- und auch zweibeinigen Mitarbeiter der Hofreitschule Bückeburg demonstriert.

Vorab erläuterte Frau Krischke auf unterhaltsame Weise einen geschichtlichen Abriss prägender Reitmeister, sowie deren reiterliche Essenz, von Xenophon, Pluvinel, Guérinière, Andrade bis hin zu Baucher.

Bauchers 1. und 2. Manier wurden aber leider nur rudimentär erwähnt. Erhofften wir uns doch insbesondere hier einen Schwerpunkt des Seminars. Gerne hätte ich noch mehr über die praktische Umsetzung  erfahren.

Interessant auch ein kleiner Exkurs über damals gebräuchliche Gebisse und Sättel. Wusstet  ihr zum Beispiel, warum die damals üblichen Kandarenbäume (auf den alten Stichen zu bewundern) im Vergleich zu den heutigen sehr lang sind? Während einer Schlacht wurden die Zügel festgestellt, man braucht ja schließlich beide Hände im Kampf. Um die Gefahr von Quetschungen und Unterkieferbrüche seitens des Pferdes zu verhindern, wurden die langen Unterbäume quasi an der Brust festgestellt. Ein gut ausgebildetes Schlachtpferd war ein kostbares Gut, brauchte seine Ausbildung schließlich Jahre. Mit „Häng“ und „Bäng“ hätte Napoleon sicherlich nicht den Platz in der Geschichte eingenommen und selbst Alexander der Große wäre für uns ein unbekannter Name. Ob sie im Sinne der Légèreté ritten sei jetzt einmal dahingestellt.

 

Im Praxisteil des 1. Tages, welcher in Form von Unterrichtseinheiten abgehalten wurde, sahen wir Reiter/Pferdpaare unterschiedlichen Ausbildungsniveaus. Darunter war auch ein Korrekturpferd, das mit der gängigen Ausbildungsskala nicht klar gekommen war und nun ganz erfolgreich mit den leichten Hilfen ausgebildet wurde.

Demonstriert wurden die Grundlagen klassischer Reitkunst mit leichten Hilfen auf meist entspannt wirkenden Pferden. Auch nach schwierigen Lektionen machten die Vierbeiner keinen gestressten Eindruck.

Frau Krischke betonte immer wieder ihren Grundsatz, nämlich das „Entlassen des Pferdes auf Ehrenwort“. Beim Ausführen einer Lektion wird die reiterliche Hilfe einfach mal weggelassen und das Pferd arbeitet trotzdem willig mit! Es denkt mit und wird zum Partner!

Zitat Krischke: „Das Auslassen der Hilfen ist nicht nur für den Geist des Pferdes, sondern auch für seinen Körper gesund. Ich darf mir als Reiter nicht einbilden, durch Gegenhalten mit Muskelkraft, Muskeln ans Pferd bilden zu können, die es zum gesunden Altwerden im Reitdienst braucht. Diese Muskeln kann ein Pferd nur aufbauen, wenn es sich selbst trägt und in die vom Reiter mit einzelnen Hilfen vorgeschlagene Form bringt“.

Ganz im Sinne der Légèreté!

 

Des weiteren bekamen wir einen Einblick in die Geschichte des Reitens mit Damensattel in entsprechender Vorführung.

Abschließend für den Tag referierte ein ausgebildeter dipl. Pferdeosteopath DIPO und Physiotherapeut Klaus Steffan über den Zusammenhang von Verspannungen und daraus entstehenden Blockaden. Er demonstrierte das Gesagte zeitgleich an einem vierbeinigen Patienten, was den Vortrag sehr lebendig und interessant machte.

 

Mein Resümée des Tages:

Ein unterhaltsamer Abriss klassischer Reitkunst durch eine sehr charmante Gastgeberin, leider aber am angegebenen Themenschwerpunkt „Französische Reitkunst“ vorbei.

Dennoch habe ich sowohl den Aufenthalt in diesem stilvollen Ambiente, die wundervollen Pferde als auch die kompetente Moderation von Frau Krischke sehr genossen und werde gerne wieder kommen.

 

Viel Grüße

Silke

 

 

Anmerkungen von Tanja über den zweiten Seminartag

 

Etwa nur ein Drittel der Zuschauer von Tag eins gönnten sich den zweiten Seminartag. Auf dem Programm standen wieder geschichtliche Hintergründe, praktische Vorführungen der Seitengänge in allen drei Gangarten, die Levade an der Hand und unter dem Reiter und das Reiten im Damensattel. Wieder konnten die Zuschauer anhand der verschiedenen Ausbildungsstufen der Pferde bzw. der Reiter die Hilfengebung und den Weg zur Légèreté gut beobachten.

Es wurde wieder ein reichhaltiges Frühstücksbuffet angeboten sowie ein umfangreiches warmes Mittagsbüffet. Wohl gestärkt konnte man den Darbietungen folgen.

Nach der Mittagspause referierte Herr Dr. Böttcher über die Zahngesundheit bei Pferden und wie wichtig ein jährlicher Besuch beim Zahnarzt ist (wer kann schon mit Zahnschmerzen entspannt reiten? Weder Mensch noch Tier!).

Als Abschluß ritt Familie Krischke zu barocker Musik in stimmungsvollem Licht.

 

Alles in allem waren die zwei Seminartage sehr gelungen. Um einen Einblick in die leichte Reiterei zu bekommen, war die Theorie ausreichend. Den Sport-Reiter, der gerade beginnt, umzudenken, hat Familie Krischke sicherlich erreicht und motiviert. Aber auch ich hätte mir mehr zu Bauchers Lehren gewünscht, sowohl in der Theorie als auch in der Praxis.
Trotzdem habe ich persönlich viel Motivation „mitgenommen“ aus Bückeburg. Einige Punkte, die die Familie Krischke praktiziert hat, habe ich im Folgenden aufgeführt:

  • sich ein „genaues inneres Bild“ von dem zu machen, was man reiten will! Die Gewichtshilfe wird dabei extra durch ein kurzes Aufstehen im Sattel und wieder hinsetzen auf der Seite des neuen Gleichgewichts (Innen sitzen z.B. für Travers) betont
  • Positives Formulieren (z.B. „langsam“ denken und nicht „nicht schneller“)
  • das Pferd nicht zum Gehorsam erziehen, sondern zur freiwilligen Mitarbeit (Nachgeben auf Ehrenwort)
  • nachgeben nach vorne, nicht nach unten mit der Hand! Das Pferd soll sich strecken, nicht einrollen
  • viel Hilfengebung über die Stimme (z.B. Schnalzen zum Angaloppieren und zur Versammlung)
  • Lernen durch die positive Verstärkung (auf einer Skala von -20 (Reiter wird aggressiv) bis +20 (Höchstes Lob und Lekkerlies) bewegt man sich zwischen 0 und+20! Nur im allernotwendigsten Moment und nur angemessen sollte man ein Pferd rügen

Vielen Dank für die netten Tage!

Tanja

Kategorie: Berichte